14. August 2026

Marsberg-Giershagen, 11. August 2026.
Große Anerkennung für ein außergewöhnliches Naturschutzprojekt in Marsberg: Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat die „Renaturierung der oberen Diemel durch Ehrenamt und Eigendynamik“ mit dem DWA-Gewässerentwicklungspreis 2026 ausgezeichnet. An der feierlichen Preisverleihung am Dienstag, 11. August, am Meilerplatz in Marsberg-Giershagen nahmen u. a. der NRW-Umweltminister Oliver Krischer, der Landrat des Hochsauerlandkreises Thomas Grosche und Bürgermeister Matthias Koch teil.
Die Vorständin der DWA, Frau Dr. Lisa Irwin-Broß begründete den Preis mit folgender Aussage: „Im Mittelpunkt der Auszeichnung steht ein Projekt, das eindrucksvoll zeigt, wie Gewässerentwicklung, Hochwasserschutz und Naturschutz miteinander verbunden werden können. Auf rund 1,5 Kilometern zwischen Giershagen und Marsberg wurde der Diemel wieder mehr Raum für ihre natürliche Entwicklung gegeben. Getragen wird das Vorhaben von engagierten Ehrenamtlichen, Fachleuten aus Wissenschaft und Planung sowie dem Diemelwasserverband Marsberg.“
Jens Eligehausen, Vorsitzender des Planungsnetzwerks planar e.V. sagte: „Wir haben dem
Fluss nur die Fesseln genommen – den Rest hat er selbst gemacht. Dass die Natur so schnell und kraftvoll zurückkehrt, übertrifft all unsere Erwartungen.“
Für die Stadt Marsberg ist die Auszeichnung ein besonderer Erfolg. Die Stadt Marsberg ist
eng mit dem Diemelwasserverband verbunden und setzt sich seit Jahren für eine naturnahe Entwicklung der heimischen Gewässer ein. Der Diemelwasserverband Marsberg ist für die Gewässerunterhaltung im Stadtgebiet zuständig. Dabei gehört neben der Sicherung des ordnungsgemäßen Wasserabflusses ausdrücklich auch die Erhaltung und Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer zu seinen Aufgaben.
Natürliche Dynamik statt aufwendiger Eingriffe
Das Besondere an der ausgezeichneten Maßnahme liegt in ihrem Ansatz: Die Diemel sollte
nicht technisch überformt, sondern wieder in die Lage versetzt werden, sich möglichst weitgehend selbst zu entwickeln. Dafür wurden gezielte Eingriffe vorgenommen. Unter anderem entstanden neue Flussrinnen, Totholz wurde eingebaut und Kiesbereiche als wertvolle Lebensräume für Fische geschaffen. Die eigentliche Entwicklung soll anschließend zunehmend die Natur selbst übernehmen.
Das Projektvolumen lag bei rund 120.000 Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützte die Maßnahme mit einer Förderung von 80 Prozent. Die Arbeiten konnten mit vergleichsweise wenig schwerem Gerät innerhalb von lediglich vier bis fünf Wochen Bauzeit umgesetzt werden.
Für den Diemelwasserverband Marsberg bedeutet die Auszeichnung eine besondere Würdigung seiner Rolle als Partner bei der praktischen Umsetzung der Gewässerentwicklung. „Gleichzeitig unterstreicht der Preis, dass eine moderne Gewässerunterhaltung weit über die reine Sicherung des Wasserabflusses hinausgeht. Ziel ist es, der Diemel den notwendigen Freiraum zu geben und damit ökologische Verbesserungen mit einem wirksamen Beitrag zur Klimaanpassung zu verbinden“, so Verbandsvorsteher Clemens Kirchhoff
Beitrag zu Hochwasserschutz und Artenvielfalt
Welche Wirkung die Renaturierung bereits entfaltet, zeigen erste wissenschaftliche Untersuchungen. Nach Angaben der Projektbeteiligten hat sich die Wasseroberfläche des renaturierten Flussabschnitts bereits deutlich vergrößert. Die angrenzenden Auen können Hochwasser besser aufnehmen und zurückhalten. Gleichzeitig wird die Landschaft bei Trockenperioden in ihrer Fähigkeit gestärkt, Wasser länger zu speichern. Auch seltene Arten profitieren von den verbesserten Lebensbedingungen. So wurden unter anderem wieder Äschen beim Laichen beobachtet; zudem haben Biber und Fischotter die renaturierten Bereiche besiedelt.
NRW-Umweltminister Oliver Krischer gratulierte den Preisträgern: „Wir müssen unseren
Flüssen wieder mehr Platz geben, damit sie sich bei starkem Regen ausbreiten können und bei Trockenheit mehr Wasser in der Landschaft halten. Gleichzeitig schaffen wir wertvollste Lebensräume. Die vielen engagierten Menschen hier an der Oberen Diemel haben eindrucksvoll bewiesen: Man braucht keine gigantischen Budgets, um Flüsse klimarobust zu machen, sondern clevere Ideen, Fachwissen und viel Herzblut.“
„Die Renaturierung der Diemel zeigt beispielhaft, wie aus einer mutigen Initiative ein bundesweites Vorbild wird. Die hohe Kosteneffizienz und die enge Zusammenarbeit aller Akteure haben uns überzeugt.“ erklärte Dr. Lisa Irwin-Broß zudem.
Stadt Marsberg sieht Auszeichnung als Bestätigung
Die Stadt Marsberg sieht in der Auszeichnung zugleich eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. Gemeinsam mit dem Diemelwasserverband Marsberg und weiteren Partnern wird daran gearbeitet, die Gewässer im Stadtgebiet ökologisch aufzuwerten und ihnen ausreichend Raum für eine natürliche Entwicklung zu geben. Für die Stadt Marsberg ist die Obere Diemel damit nicht nur ein bedeutendes Landschaftselement, sondern auch ein wichtiger Baustein für nachhaltigen Hochwasser- und Klimaschutz.
Die Preisverleihung in Marsberg-Giershagen machte deutlich, dass erfolgreiche Renaturierung vor allem dann gelingt, wenn Kommunen, Wasserverbände, Behörden, Wissenschaft, Ehrenamt und engagierte Bürgerinnen und Bürger an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Der Diemelwasserverband Marsberg und die Stadt Marsberg haben dabei einen wichtigen Anteil daran, dass die Obere Diemel heute wieder mehr Raum für ihre natürliche Dynamik erhält.
Mit dem DWA-Gewässerentwicklungspreis 2026 erhält dieses Engagement nun auch überregional die verdiente Aufmerksamkeit. Die Auszeichnung ist damit nicht nur ein Preis für ein gelungenes Renaturierungsprojekt, sondern zugleich eine Anerkennung für den gemeinsamen Einsatz für die Zukunft der Diemel und der Landschaft rund um Marsberg.