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Mord in der Stiftskirche


Quelle: Stadtarchiv Marsberg, Sammlung Felix BiekerQuelle: Stadtarchiv Marsberg, Sammlung Felix Bieker

Schaut sich der Besucher Obermarsbergs in der Stiftskirche um, entdeckt er neben den steinernen Häuptern Karls des Großen und dem von Papst Leo III. einen weiteren gekrönten Kopf – den des Prinzen Thankmar. Der Betrachter mag sich fragen, wer war Thankmar und warum schaut er vom „Kapitell des ersten linken Schiffspfeilers“ 1 auf uns herab? Dies ist eine weitere spannende Geschichte um Intrigen, Macht und Eroberung, die schließlich zum Mord an Thankmar führte. Dies ist ein dunkles Kapitel der Geschichte, das ebenso zum historischen Erbe der Stadt (Ober-)Marsberg gehört, wie der Besuch Karls und Leos. In diversen Quellen sind die Mitarbeiter des Stadtarchivs fündig geworden und haben sozusagen kriminalistische Arbeit geleistet.

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Motiv für den Mord? Die Antwort ist relativ einfach: Familien-streitigkeiten in Verbindung mit Neid, Macht, Umsturzgedanken, kurz, kaum andere Motive als für die Morde unserer Zeit. Doch worum ging es hier nun genau? Thankmar beanspruchte eine Markgraf-schaft, die sein Stiefbruder Otto, einem seiner Vasallen, dem Grafen Gero, geschenkt hatte. Zudem sah er sich als rechtmäßiger Erbe des Königsthrons, da er älter war als Otto, der nach dem Tode Heinrichs (936) zum neuen deutschen König gewählt worden war.

Es kamen diverse Ereignisse zusammen, die zur Tat führten. Thankmar scharte die Herzöge der Franken, der Lothringer und der Bayern um sich, die ebenfalls nicht gewillt waren, sich dem Sachsen Otto zu fügen. Er „drang mit den Mannen des Frankenherzogs Eberhard ins Diemeltal vor und verwüs-tete das ganze Land bis zur Möhne.“ 2 In Belecke nahm er seinen Halbruder Heinrich gefangen und behandelte ihn wie einen Knecht. Zuletzt setzte sich Thankmar mit seinem Gefolge auf der Eresburg fest. „Doch König Ottos Mannen vom Rheine stürmten her, vor ihren großen Scharen zerbrach die starke Wehr.“ 3 Ohne die Hilfe der Einwohner wäre der Kampf wohl nicht so schnell vorbei gewesen, denn diese öffneten die Tore und ließen das Belagerungsheer hinein.

Der Tathergang: Thankmar flüchtete in die Stiftskirche, wo er neben seiner goldenen Halskette die Waffen und sein Schild auf dem Altar niederlegte. Die Verfolger brachen die Kirchentore auf und drangen auf Thankmar ein. Dieser ergriff die zuvor niedergelegten Waffen und in der Kirche entbrannte ein heftiger Kampf. Am Ende wurde er von einem durchs Chorfenster geschleuderten Speer getötet 4 und somit das Ende des Aufrührers im Jahre 938 besiegelt. Zwar hatte Thankmar sich durch das Betreten der Kirche mit Waffen „den Schutz des privilegierten Ortes verscherzt, doch hätte er auf keinen Fall in der Kirche getötet werden dürfen.“ 5

Zur Erinnerung an dieses Ereignis erhielt Thankmars Haupt den eingangs beschriebenen Platz in der Stiftskirche, die ihm letztendlich doch nicht den erhofften Schutz gewährte.

Nicht nur steinerne Zeugnisse halten diesen ungewöhnlichen Mord in einer Kirche fest. Auch Ge-schichten von der Schriftstellerin Rebecca Gablé in „Das Haupt der Welt“ oder Axel S. Meyer in „Das Lied des Todes“ verarbeiten diese Historie. Aktuell findet dieser Mord auf humorvolle und musikali-sche Weise bereits im nächsten Monat seinen Platz in dem Musical „Magic Moments aM Mons Martis“ Ebenfalls nicht zu vergessen ist das „Museum der Stadt Marsberg“ mit Sitz in Obermarsberg, das sich ab August 2022 im Jubiläumsjahr „1.250 Jahre OberMarsberg“ in der Ausstellung „Mit Schwert und Kreuz – Karl der Große – Sachsen und die Eresburg“ mit den historischen Ereignissen unserer Stadt auseinandersetzt.

Eine Vielzahl von Dokumenten und spannender Literatur rund um historische Themen finden Sie im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek.

Termine zur Recherche im Archiv können unter Tel. 0 29 92/97 91 65 zu den gewohnten Öffnungszeiten der Stadtverwaltung vereinbart werden.

Hinweis: Sowohl zu dem Täter; in manchen Quellen ist fälschlicherweise Otto selber, in anderen ein Ritter namens Mancia, dann wieder Thiatbold als auch zu dem Tathergang gibt es unterschiedliche Versionen. Im Stadtarchiv hat man sich für die in unseren Büchern am Häufigsten verwendete ent-schieden.

Quellen:

1 „Die alte Stadt auf dem Berge – Führer durch Obermarsberg“, bearbeitet von Wolfgang Warmers, 1988 (Zd 53)

2 „Von Geschlecht zu Geschlecht – Das obere Sauerland im Spiegel der Geschichte“, bearbeitet von Schulrat Schopp und Schulrat Baulmann, 1963 (Zd 275)

3 Zitat aus dem Gedicht „Thankmar, der Sachse“ von Maria Kahle, abgedruckt in „Marsberg Chronik 88 – Ereignisse und Erinnerungen“ von Stadtchronist Johannes Bödger. (Ab 54)

4 „Marsberg im Sauerland“ von Philipp Siebers, Juni 1978 (Zd 97)

5 „Beiträge zur Geschichte Marsbergs“ von P. Rupert Stadelmaier SDS +, ca. 19 (Zd13)

Stand: 29.03.2022

Die Ergebnisse der Landtagswahl 2022 für Marsberg finden Sie hier: http://wahlergebnisse.marsberg.com






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