Marsberg - historische Handels- und Hansestadt

Vor über 1100 Jahren wurden der Abtei Corvey für ihren Besitz „Horhusen“, dem heutigen Niedermarsberg, die entscheidenden Vorrechte von König Ludwig IV. verliehen. Die Benediktinerabtei erhielt für die Siedlung das Markt-, Münz- und Zollrecht. Diese Privilegien machen die schon damals beachtliche wirtschaftliche Stellung Marsbergs deutlich. Markt-, Münz- und Zollrecht förderten im Mittelalter eine blühende Entwicklung der Stadt. Einfluss auf die historische Entwicklung hatte weiterhin auch die Lage an wichtigen Handelsstraßen.

Die Eresburg, das heutige Obermarsberg, lag an der wichtigen Nord-Süd-Straße, der Verbindung zwischen Frankfurt und Paderborn. Diese Straße nutzte der Frankenkönig Karl der Große für seinen Vorstoß nach Sachsen und wahrscheinlich auch Papst Leo III. auf seiner Flucht nach Paderborn. Im Diemeltal schneidet die Fernroute Köln-Kassel die Nord-Süd-Straße nach Paderborn. Marsberg war somit ein historisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Viele der Reisenden und Händler zog es in die Stadt, um innerhalb der schützenden Stadtmauern ihre Waren anzubieten.

Die im Stadtgebiet vorhandenen Bodenschätze, die Erze im Bereich des Eresbergs, waren auf lange Sicht entscheidend für die bedeutsame wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Im Jahr 1150 wurde die Ausbeute von Gold, Silber, Kupfer und Blei im Eresberg per Privileg gestattet. Das Kupfervorkommen der Region zählte zu den größten in Deutschland und sogar Gold konnte in der Diemel geschürft werden. Sehr früh wurde in Marsberg mit der Verarbeitung und dem Verkauf von Metallerzeugnissen begonnen. So wurden schon im 12. Jahrhundert jährlich 50 Messer, Rasiermesser und Zangen aus Horhusen an das Kloster Corvey geliefert. Der Abbau und die Verarbeitung von Kupfer dauerte bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die alte Bergbautradition der Stadt ist im Besucherbergwerk Kilianstollen eindrucksvoll zu erleben.

Die Verbindung Marsbergs zum mächtigsten historischen Handelsbündnis ist damit geklärt: Die Kaufleute der Hanse versorgten West- und Mitteleuropa mit den Luxuswaren, Nahrungsmitteln und Rohstoffen des nördlichen, südlichen und östlichen Europa. Hierzu gehörten Pelze, Wachs, Fisch, Hanf und Holz. Im Gegenzug brachten die Hansekaufleute die gewerblichen Fertigprodukte des Westens und Südens wie Tuche, Waffen und Metallwaren sowie Gewürze mit. Die Handelsrouten reichten in Gebiete von Portugal bis Russland und Skandinavien bis Italien. Bei ihren Reisen nutzten die Kaufleute auch den Markt und die Fernstraßen entlang der heutigen Stadt Marsberg. Durch eine feste Bündnisorganisation unterstützten sich die Hansestädte gegenseitig gegen adlige Herrschaftsansprüche. Während ihrer Blütezeit umfasste die Hanse ein Gebiet von heute mehr als 20 europäischen Ländern und verhängte Wirtschaftsblockaden gegen ganze Königreiche.

Anfang der 1980er Jahre wurden die Hansestädte zur Wiederbelebung des alten Hansebundes aufgerufen. Die Gründungsurkunde des Westfälischen Hansebundes wurde 1983 unterzeichnet und die alte Reichs- und Hansestadt Herford zum Hansekontor bestimmt. Der alte hansische Gedanke „Stärke durch Gemeinsamkeit“ trägt dazu bei, die Attraktivität einer Stadt zu steigern. Gerade die historische Bedeutsamkeit der Städte übt auf viele Touristen eine große Anziehungskraft aus. Heute zählt der Westfälische Hansebund 43 Mitglieder. Auch Marsberg ist als historische Handels- und Hansestadt heute wieder im Westfälischen Hansebund vertreten.